Raritäten aus Ahrenshoop unter dem Hammer - dpa

Erstmals Werk von über 22.000 Euro Schätzpreis bei der Ahrenshooper Kunstauktion im Angebot - Sammler aus ganz Europa bieten Samstag mit

Von ANETTE PRÖBER

Das Interesse an Ahrenshooper Kunstwerken ist gewaltig. "Sammler aus ganz Europa fragen bei uns an, wollen sich an der diesjährigen Kunstauktion beteiligen. Wir werden viele Telefonbieter haben", freut sich Auktionator Guenter Roese. Schon jetzt gäbe es schriftliche Vorgebote für Arbeiten, die doppelt so hoch wie der Schätzpreis des Werkes lägen.
Die 36. Ausgabe der Ahrenshooper Kunstauktion am 7. August hält für Kunstinteressierte zahlreiche Raritäten bereit. 156 Werke von 88 Künstlern, die in der 100-jährigen Tradition der Ahrenshooper Künstlerkolonie stehen, also in dem kleinen Fischerort lebten und arbeiteten, werden zur Versteigerung gebracht.
Zum ersten Mal überhaupt kommt ein Werk unter den Hammer, das einen Schätzwert zwischen 22.000 und 26.000 Euro besitzt. Es ist eine frühe Arbeit von Max Kaus (1891 - 1977) aus dem Jahr 1924 "Interieur mit Turu". Der Künstler malte seine erste Frau Turu, einen Akt Öl auf Leinwand. "Eine Spitzenarbeit" findet der erfahrene 74-jährige Kunstliebhaber Roese. Auch der Rahmen wurde vom Künstler selbst gestaltet.
Bislang zahlte ein Sammler mit 17.000 Euro den höchsten Preis für eine einzelne Arbeit in der Geschichte der Ahrenshooper Auktion. Er ersteigerte ein Werk von Elisabeth von Eicken (1862 - 1940), die zu den Gründerinnen der Künstlerkolonie Ahrenshoop zählt.
Auch diesmal sind die Gründer mit ihren idyllischen Küstenlandschaften wieder gut vertreten. Allein vier Arbeiten stammen von Paul Müller-Kaempff (1861 - 1941). Darunter eine Winterlandschaft von Ahrenshoop aus dem Jahr 1895. Das Ölgemälde besitzt einen Schätzwert zwischen 5800 und 7200 Euro. Winterlandschaften sind in Ahrenshoop recht selten gemalt worden, um so erstaunlicher, dass weitere zur Auktion angeboten werden. Von Friedrich Wachenhusen (1859 - 1925) wird das Bild "Mond über winterlicher Landschaft" (um 1895) und von Elisabeth von Eicken ein wunderschönes Aquarell vom Dornenhaus im winterlichen Tauschnee (1890) versteigert.
Für Feininger-Liebhaber hält Roese einen seltenen Holzschnitt aus dem Jahr 1918 bereit. Außerdem präsentiert er von Lyonel Feininger (1871 - 1956), der die Ostseeküste bekanntlich liebte, eine wertvolle Handzeichnung "Wolke über dem Meer". Deutlich erinnere die Skizze an das Gemälde von Caspar David Friedrich "Mönch am Meer". "Das ist eindeutig eine Adaption", erklärt Roese.
Zu den außergewöhnlichen Arbeiten zählt auch das Gemälde "Flaggenparade" aus dem Jahr 1947 von Edmund Kesting (1892 - 1970), der sich als Avantgardist vielfältig experimentell orientierte.
Die 300 Plätze im Saal des Kunstkaten Ahrenshoop werden am Samstag schnell gefüllt sein, ist sich Auktionator Guenter Roese sicher. Er hat es in der Vergangenheit schon erlebt, dass Interessierte, die sich vor dem Gebäude im Freien aufhielten, durch das Fenster mitboten. "Dazu die Bieter per Telefon. Das verlangt einiges Geschick von allen Mitarbeitern der Kunstauktion", meint Roese. Er freue sich sehr auf das Ereignis. Ein besseres Aushängeschild für den kleinen 800-Einwohner-Künstlerort an der Ostsee, der im nächsten Jahr den Baustart für sein eigenes Kunstmuseum plant, gebe es nicht. Dann seien die Werke der Meister der Künstlerkolonie endlich ständig zu bestaunen.
Kurdirektor Hartmut Schmidt ist ebenfalls zufrieden, die 2100 Gästebetten in Ahrenshoop sind in der gesamten Saison restlos ausgebucht. "Auf dem schmalen Landstrich zwischen Bodden und Ostsee gibt es für Urlauber einfach viel zu entdecken. Als Ort mit den meisten Galerien pro Einwohner haben wir einen guten Ruf, wir pflegen unsere Traditionen."

Noch bis 6. August sind die Werke zur 36. Kunstauktion im Kunstkaten und der Strandhalle von 10 bis 18 Uhr zu besichtigen.
Die Auktion beginnt am 7. August um 19 Uhr und endet vermutlich gegen Mitternacht.
Infos: www.ahrenshoop-kunstauktion.de