Herz-OP-Patienten werden immer älter

Pressemitteilung
Klinikum Karlsburg
Herz- und Diabeteszentrum
Mecklenburg-Vorpommern

Herzspezialisten diskutierten neue Therapien für Hochbetagte im Klinikum Karlsburg

Ein Drittel aller Menschen, die wegen einer Verkalkung der Herzklappe (Aortenklappenstenose) operiert werden, wären noch vor fünf Jahren keinem OP-Team mehr vorgestellt worden. Weil sie zu alt schienen und zu viele Begleiterkrankungen mitbrachten. Doch neue, schonendere Operationsmethoden gestatten es heute, auch Menschen über 70, 80 und 90 Jahren zu helfen und ihnen eine höhere Lebensqualität zu schenken.
Die neuesten Therapieoptionen für Herzkranke standen am Wochenende im Mittelpunkt einer wissenschaftlichen Tagung im Klinikum Karlsburg, an der 80 Mediziner, darunter Herzspezialisten aus Bad Oeynhausen, Berlin, Leipzig, Schwerin und Greifswald teilnahmen.
Das besondere Interesse galt den neuen Behandlungsmöglichkeiten für schwerstkranke, ältere Patienten. "Herzchirurgie ist Alterschirurgie", sagte Prof. Dr. Hans-Georg Wollert, Direktor der Klinik für Herzchirurgie in Karlsburg. "Schon heute sind 47 Prozent aller Herz-OP-Patienten in Deutschland über 70 Jahre alt. In Mecklenburg-Vorpommern ist die Zahl noch größer." Wollert verwies auf die demografische Entwicklung, die im Nordosten besonders extrem verlaufe, weil ältere Menschen zu- und jüngere Menschen abwanderten.
Seit 2006 hat sich der Karlsburger Herzchirurg Prof. Hans-Georg Wollert gemeinsam mit einer interdisziplinären Arbeitsgruppe auf die neuen schonenderen Operationsverfahren vorbereitet. Inzwischen kann das Spezialistenteam aus Chirurgen und Kardiologen gute Ergebnisse vorweisen. 93 hochbetagten Patienten und Hochrisikopatienten wurden seit August 2009 in Karlsburg Aortenklappenstents implantiert. Ohne den Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine. Das heißt minimalinvasiv, über einen kleinen, sechs Zentimeter großen Schnitt im Brustkorb bzw. einen Schnitt in der Leistengegend. Prothesenprobleme gab es keine und bei einer durchschnittlichen Verweildauer von 13 Tagen im Klinikum erholten sich die Patienten anschließend rasch. Die Mortalitätsrate war äußerst gering, wie Prof. Wollert betonte. Auf ähnliche Erfolge können auch die Spezialisten des Herzzentrums Bad Oeynhausen in Nordrhein-Westfalen verweisen, wie Dr. Marcus Wiemer auf der Karlsburger Tagung erklärte. Auch sie haben sich früh der neuen, schonenderen Operationsmöglichkeiten zugewandt.