Studie: Lücken im Marina-Netz schließen

Von ANETTE PRÖBER
Mecklenburg-Vorpommern ist das El Dorado für Wassersportler: 1945 Kilometer Ostseeküste, mehr als 2000 Binnenseen und 26.000 Kilometer Fließgewässer. Mit diesem Kapital will das Land künftig noch stärker im harten Tourismusgeschäft punkten. Das Wirtschaftsministerium hatte dazu eine Studie in Auftrag gegeben, die gestern auf der 1. Maritimen Tourismuskonferenz des Landes in der Yachthafenresidenz "Hohe Düne" vor 150 Branchenvertretern vorgestellt wurde.
Wirtschaftsminister Jürgen Seidel zeigte sich sehr zufrieden mit den Ergebnissen: "Der maritime Tourismus hat sich in den letzten zehn Jahren enorm entwickelt, teilweise sogar die Erwartungen übertroffen. Besonders in Infrastruktur und Professionalität ist viel investiert worden." Derzeit gibt es 350 Marinas mit 14.000 Liegeplätzen an der Küste und 11.000 Liegeplätzen im Binnenland. Eine positive Entwicklung bescheinigte der Minister den Bereichen des Surf- und Angeltourismus sowie der Kreuzschifffahrt. Liefen im Jahr 2000 erst 47 Kreuzfahrtschiffe den Hafen Rostock-Warnemünde an, seien es im vergangenen Jahr 114 gewesen, mit 160.000 Passagieren an Bord.
Der Bruttoumsatz im maritimen Tourismus hat im vergangenen Jahr 480 Millionen Euro ausgemacht und sich damit seit dem Jahr 2000 verdreifacht. Nach dem Bade- und Strandtourismus kommt dem Wassertourismus der höchste Stellenwert in der Tourismuswirtschaft im Nordosten zu, meinte Seidel. Und dieser habe in Mecklenburg-Vorpommern einen Stellenwert "wie in keinem anderen Bundesland". Der Bruttoumsatz im Tourismus liegt insgesamt bei über fünf Milliarden Euro.
Mit der Studie, die das Ostseeinstitut für Marketing, Verkehr und Tourismus an der Universität Rostock in Kooperation mit der dwif-Consulting GmbH Berlin erarbeitet hatte, werden 37 Handlungsempfehlungen für die zukünftigen Erfordernisse gegeben.
Sie richten sich an Bund, Land, Kommunen, Verbände und Unternehmen, unterstrich Prof. Karl-Heinz Breitzmann vom Ostseeinstitut der Uni Rostock. Er hob ebenfalls die wirtschaftliche Bedeutung des maritimen Tourismus hervor, auch wenn viele der beteiligten Unternehmen zumeist Kleinbetriebe mit drei und vier Angestellten seien. Die heterogene Struktur eröffne auch viele Möglichkeiten. Die Studie belege, dass das Land aus der Rolle des Aufholers in die Position des Marktführers rücke. Jetzt komme es darauf an, vor allem technische und ökologische Standards weiter auszubauen.
Dingend empfohlen wird - wie bereits in der Vorgängerstudie aus dem Jahr 2000 - die Lücken im Marinanetz zu schließen. "Für den Tourismus ist dieser Ausbau äußerst wichtig", betonte ebenfalls Bernd Fischer, Geschäftsführer des Tourismusverbandes MV. Im Bereich Fischland-Darß-Zingst, im Süden und Osten Rügens und vor Usedom hätten Urlauber derzeit keine Chance, einen Sportboothafen anzulaufen. Eigentlich hätte man mit dem "Problem Darß" schon viel weiter sein wollen, räumte Minister Seidel vor der Presse ein. Zweistellige Millionenbeträge bräuchten nur abgerufen werden. "Das liegt aber in der Hand der Gemeinden, dem Land gehört leider keine Fläche, um eine Marina zu errichten."
Zu den festgestellten Mängeln im maritimen Tourismus zählen laut Studie bespielsweise lange Schleusenwartezeiten, die in der Saison insbesondere an der Elde-Müritz-Wasserstraße auftreten. Mit dem Kapazitätsausbau neuer Schleusen, so meinte Fischer, könne dann gleichzeitig dafür gesorgt werden, dass es an den Wasserstraßen wieder "mehr menschelt". Service bedeute heutzutage, überall gut informiert zu werden, oder auch das Bier schnell an Bord gereicht zu bekommen. Barrierefreiheit und WLAN seien weitere Schlagworte.
Gemeinden und Behörden rät die Studie ausdrücklich, wassertouristische Funsportarten wie Wasserskiing und Wakeboarding mit ins Angebot zu nehmen. Sie seien wichtig, "um jugendliche Touristen anzuziehen" und eröffnen innovative Tätigkeitsfelder für kleine Unternehmen.