Der "Kanzlerfotograf" stellt in Rostock aus

Auf den "Kanzlerfotografen" möchte er sich nicht reduziert sehen. Das Etikett bekam er von den Medien, weil er Angela Merkel bereits mehrfach ins Licht rückte. "Macht interessiert mich als Thema". sagt Andreas Mühe dazu. Der 31-jährige Shootingstar der deutschen Fotografie stellt seit heute (Freitag, den 26. August) in der Rostocker Kunsthalle aus. Seine Arbeiten, die in den vergangenen zehn Jahren entstanden, sind geheimnisvoll inszeniert und von eigenwilliger Schönheit. Andreas Mühe, Jahrgang 1979 und Sohn des Schauspielers Ulrich Mühe, hat in der Vergangenheit vor allem mit seinen Porträts von Größen aus Politik, Kultur und Wirtschaft für Aufsehen gesorgt. Mühe arrangiert seine Bilder wie für einen Film, nichts wird dem Zufall überlassen, jedes kleine Detail ist von Bedeutung. Der Fotograf, der auf seine Großbildkamera schwört, spielt virtuos mit dem Licht und schafft so eine sehr intime Sichtweise auf die Porträtierten. Künstler wie der Maler Markus Lüpertz, der Schauspieler Daniel Brühl oder Politiker wie George Bush, Helmut Kohl oder Michail Gorbatschow vertrauten sich dem jungen Fotografen an.
Er sei ein "politischer Fotograf", sagt Mühe. Manchmal fühle er sich "wie Till Eulenspiegel", halte den Großen, Mächtigen und Kleinbürgern den Spiegel vor. "Politik muss in die Kunst, alles andere ist langweilig und belanglos." So sieht man in der Rostocker Schau beispielsweise den ehemaligen DDR-Boss Egon Krenz, wie er vor seinem Haus die Hecke schneidet. Inszeniert in einem kleinbürgerlichen Idyll. Gleich gegenüber eine Momentaufnahme aus der italienischen Botschaft in Berlin - nicht weniger spießig. Daneben eine Szene aus einem Pornostudio. Nicht voyeuristisch aufgemacht, nur ein Lichtschein erhellt die Dunkelheit. "Mühe zeigt die Doppelbödigkeit, die Welt in ihrer Brüchigkeit und Vergänglichkeit", sagt Prof. Ingo Taubhorn. Der Hamburger ist der Kurator der Schau und begleitet die künstlerische Laufbahn von Andreas Mühe seit zehn Jahren. Er fordert die Besucher dazu auf, länger vor den großflächigen Fotografien zu verweilen, die viele Geschichten zu erzählen hätten. Nicht auf den ersten Blick erschlössen sich alle Arbeiten des Künstlers.
Andreas Mühe, der 1979 in Karl-Marx-Stadt geboren wurde, zeigt mit den Fotografien auch das Leben seiner Generation. In der DDR aufgewachsen, plötzlich mit der Wende konfrontiert und in eine neue Gesellschaftsordnung geschmissen. Die jungen Leute sind zerrissen, aufmüpfig und doch selbstbewusst. Körperkult wird zur Modeerscheinung. Auch ein Thema, das den jungen Mann als Fotografen reizt.
In Rostock wird Andreas Mühe an drei Tagen ( 16.9., 6.10. und 7.10. von 10 bis 18 Uhr) auf Wunsch gern Besucher der Schau mit seiner Kamera in Szene setzen. Die Kanzlerin werde er im übrigen nicht mehr porträtieren. Obwohl sie ihm "als Mensch sehr sympathisch" war. Jetzt möchte er andere Motive entdecken, sich anderen künstlerischen Aufgaben stellen.
Mühe, der für renommierte Magazine, Zeitschriften und Agenturen arbeitet, wird Ende September in Los Angeles ausstellen. Seine Ausstellung in Rostock endet am 23. Oktober.
Anette Pröber