85-jährige Rüganerin hat wieder mehr Puste

Neues Herz-OP-Verfahren gut etabliert: Über 200 Herzklappen in Karlsburg über Katheter implantiert.

Zum Feiern gibt es für Waltraud Pahl aus Baabe gute Gründe. Die Rüganerin begeht in wenigen Wochen ihren 86. Geburtstag und im Februar 2012 mit ihrem Mann die Eiserne Hochzeit. "Die 65 Jahre waren eine gute Zeit, wir haben alles gemeinsam gemacht, viel erlebt", erzählt sie. Beide haben über Jahre in der Fischerei gearbeitet, dann 50 Jahre eine Strandkorbvermietung betrieben. "Na klar" freue sie sich darauf, zu den Jubiläen ein Tänzchen zu wagen. Fast vergessen scheint ihr, dass sie erst vor wenigen Tagen im Klinikum Karlsburg eine neue Herzklappe implantiert bekam. "Was glauben Sie, wieviel Kraft ich wieder habe. Ich bin kein wehleidiger Typ, ich habe das ganze Leben hart gearbeitet", erklärt Waltraud Pahl und ist im selben Augenblick schon aus dem Klinikbett, um ihre Beweglichkeit zu demonstrieren.
"Ich freue mich für die Patientin, die nun in die Rehaklinik entlassen wird. Sie wird künftig wieder mehr Puste haben, um Treppen zu steigen und den Alltag zu meistern", sagt Prof. Dr. Hans-Georg Wollert, Direktor der Karlsburger Klinik für Chirurgie. Er hatte die hochkomplexe Operation bei schlagendem Herzen mit einem Spezialistenteam durchgeführt.
Noch vor fünf Jahren wäre die 85-Jährige mit der fortgeschrittenen Herzklappenverkalkung (Aortenklappenstenose) keinem OP-Team mehr vorgestellt worden. Erst das neu entwickelte minimal-invasive Operationsverfahren eröffnet betagten Menschen als auch Patienten mit schweren Begleiterkrankungen eine Therapieoption. Die bislang herkömmliche Operation mit Öffnung des gesamten Brustkorbes und Anschluss an die Herz-Lungen-Maschine wäre für diese Patientengruppen zu risikovoll und deshalb nicht zuzumuten gewesen.
Seit Herbst 2009 werden im Herz- und Diabeteszentrum Karlsburg Aortenklappen mittels Katheter implantiert, über einen kleinen sechs Zentimeter großen Schnitt unterhalb des Herzens. Prof. Wollert hatte sich jahrelang mit dem schonenden OP-Verfahren vertraut gemacht. Als wichtige Voraussetzung für die neuartigen Operationen wurden zudem hervorragende technische Bedingungen geschaffen. Im Jahr 2010 wurde der sogenannte Hybrid-OP-Saal im Klinikum Karlsburg eingeweiht. Er ist ausgestattet mit supermoderner Durchleuchtungstechnik, die den Medizinern während des Eingriffs hochauflösende 3D-Bilder vom Herzen liefert. Außerdem herrschen höchste hygienische Reinheitsstandards - eine wichtige Bedingung für die sensiblen Eingriffe am Herzen betagter Menschen.
Über 200 Aortenklappen sind inzwischen im Klinikum Karlsburg minimalinvasiv operiert. Allein in diesem Jahr zählte der Klinikchef 100 der neuartigen Operationen.
"Die kathetergestützte Aortenklappenimplantation, die über die Leiste als auch über die Herzspitze möglich ist, hat sich so schnell wie kein anderes OP-Verfahren in den letzten Jahren in der Herzchirurgie etabliert", meint Prof. Hans-Georg Wollert. Es sei auf Grund der Fortschritte in der Materialforschung und der Entwicklung neuer medizinischer Verfahren ein hochmodernes und weitgehend ausgereiftes Therapiekonzept. Für ältere Herzpatienten verspreche es deutlich mehr Lebensqualität.
Die hochkomplexen Herzklappen-Operationen erfolgen in Zusammenarbeit der Karlsburger Kliniken für Chirurgie, Kardiologie und Anästhesie/Intensivmedizin. Die Patienten kommen aus allen Teilen des Landes Mecklenburg-Vorpommern nach Karlsburg, das im Norden führend bei diesen minimal-invasiven Klappen-Operationen ist.

Anette Pröber
Öffentlichkeitsarbeit