XI. Medizinkonferenz: Ärztemangel bedroht Versorgung in ländlichem Raum

Rund 80 Mediziner aus dem Land Mecklenburg-Vorpommern beschäftigten sich am Wochenende auf der XI. Interdisziplinären Medizinkonferenz Vorpommern mit dem Ärztemangel im ländlichen Raum. "Das Thema ist im Land durch die demografische Entwicklung besonders akut. Während die älteren Patienten rasant zunehmen, verlassen junge Menschen und gut ausgebildeter Ärzte das Land", sagte Prof. Dr. Wolfgang Motz, Ärztlicher Direktor des Klinikums Karlsburg. Er forderte dazu auf, an unkonventionellen Lösungen zur wohnortnahen medizinischen Versorgung zu arbeiten. Gemeinsam mit dem HANSE Klinikum Stralsund richtet das Klinikum Karlsburg die jährliche Fachtagung aus, die diesmal im Stralsunder Ozeaneum stattfand.
Das vom Schweriner Bundestagsabgeordneten Dietrich Monstadt (CDU) vorgestellte neue Versorgungsstrukturgesetz, das ab Januar 2012 in Deutschland in Kraft treten soll, fand unter der Ärzteschaft viel Kritik. Verbesserungen für niedergelassene Ärztinnen mit Kind, eine großzügigere Zulassungsregelung für Medizinstudenten und die Auflösung mancher starren Strukturen könnten nur als richtige Ansätze gelten. Angesichts der Größe der Probleme greife das Gesetz zu kurz. Auch wenn die Bundestagsabgeordneten erstmals seit 1972 nicht nur Kosten einsparen, sondern Strukturen verändern wollen.
Dr. med. Dieter Kreye, stellv. Vorsitzender des Vorstandes der Kassenärztlichen Vereinigung MV, befand: "Das große Haus medizinische Versorgung in Deutschland muss erneuert werden." Er habe am eigenen Beispiel erfahren müssen, dass für seine Hausarzt-Praxis in Neubrandenburg kein Nachfolger Interesse zeigt. Kleine rechtliche Veränderungen in der Nachfolgerregelung brächten nichts, wenn sich niemand mehr niederlassen wolle. Kreye gab zu bedenken, dass den Bedarfszahlen von Ärzten in den Regionen veralterte Bevölkerungs- und Krankheitsstrukturen zugrunde liegen. Er forderte außerdem, Ärzte von Bürokratie zu befreien, damit sie sich wieder ihren ureigensten Dingen zuwenden könnten.
Prof. Dr. med. Hans-Fred Weiser, Präsident des Verbandes Leitender Krankenhausärzte, kritisierte, dass sich in dem Gesetz kein Wort dazu findet, wie man die Überversorgung mit Ärzten in Ballungsgebieten wie München abbauen will. Er vermisse ebenso eine Lösung, um die 3800 fehlenden Ärzte in deutschen Krankenhäusern besetzen zu können.
Friedrich-Wilhelm Bluschke, Mitglied des Vorstandes AOK Nordost, rief dazu auf, in Mecklenburg Vorpommern einfach anzufangen. "Hier, wo die Not am größten ist, müssen wir vorangehen", sagte Bluschke. Er setzte sich für Lösungen ein, die Ärzte entlasten könnten. Die Gemeindeschwester Agnes gehöre dazu. Denn die hohen Zahlen von Arzt-Patienten-Kontakten, die im Land Mecklenburg-Vorpommern anfallen, seien auch der Vereinsamung älterer Menschen geschuldet. "Die Gesellschaft muss sich dem Problem stellen, dass Familienstrukturen nicht mehr vorhanden sind, die die Älteren auffangen. Aber Demenz und andere Erkrankungen sind gerade fehlenden Sozialkontakten geschuldet", meinte Bluschke.