Karlsburg bringt Diabeteswissen in die Golfstaaten

Internationale Delegation besichtigte Herz- und Diabeteszentrum

Eine kleine Delegation von Diabetologen aus den Golfstaaten, den USA und Litauen besuchte das Klinikum Karlsburg. Die Mediziner informierten sich im Herz- und Diabeteszentrum über die Behandlung von Diabetes und den schwerwiegenden Folgeerkrankungen.
Die Ärzte hatten im Januar während eines Diabetes-Workshop auf der weltgrößten Medizinmesse "Arab Health" in Abu Dhabi Interesse an Kooperationen mit den Herz- und Diabetesspezialisten aus Karlsburg signalisiert. Seitdem gab es weitere Treffen und Kontakte. Dr. Abdullrarraq Al Madani aus dem Dubai Hospital zeigte sich bei seinem Besuch besonders von der "hervorragenden Betreuung der Kinder und Jugendlichen mit Diabetes" beeindruckt. "So eine Klinik brauchen wir in Dubai", sagte er und versprach mit mehreren Kollegen zu intensiven Gesprächen wiederzukommen.

Auf den Weg gebracht wurde eine erste Kooperation mit den Golfstaaten. Mediziner des Klinikums Karlsburg werden unter dem Motto "Train the trainer" innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre Partner in den Arabischen Emiraten ausbilden, damit diese effektive Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung leisten können. Gemeinsam soll der "Pest des 21. Jahrhunderts" begegnet werden, die im arabischen Raum noch stärker als in Deutschland grassiert. Auch erste Patienten aus den Golfstaaten werden bereits im Herbst erwartet, kündigt Prof. Dr. Wolfgang Motz, Ärztlicher Direktor des Klinikums Karlsburg an.

Der Diabetes mellitus - im Volksmund als Zuckerkrankheit bekannt - ist weltweit die sich am stärksten ausbreitende Erkrankung. Nach Angaben der WHO sind derzeit ca. 150 Millionen Menschen rund um den Erdball betroffen. Während in Deutschland etwa 8 bis 9 Prozent der Bevölkerung an Diabetes mellitus leiden, liegt die Erkrankungsrate in den Golfstaaten schon bei 35 bis 40 Prozent. Wissenschaftler der International Diabetes Federation rechnen damit, dass sich die Zahlen bis 2025 annähernd verdoppeln werden. Die hohe Erkrankungsrate in der Arabischen Welt und zunehmend auch im asiatischen Raum resultiert aus dem wachsenden Wohlstand und der Umstellung der Ernährung und der Lebensbedingungen. "Begünstigt wird die Zunahme des Typ-2-Diabetes (Altersdiabetes) durch eine Lebensweise, die Bewegungsmangel und eine ungesunde Ernährung kennzeichnen", sagt Prof. Dr. Wolfgang Kerner, Direktor der Diabetesklinik Karlsburg. Vor allem in klimatisch heißen Regionen werde kaum Sport getrieben. Schon kleinste Strecken werden im klimatisierten Auto zurückgelegt. Doch wenn man ständig mehr Energie aufnimmt als verarbeitet, gerät die Energiebilanz des Menschen aus dem Gleichgewicht. Und der zuviele Zucker schadet den Gefäßen. "Rund zwei Drittel aller Patienten, die im Herzkatheterlabor nach einer Herzerkrankung behandelt werden müssen, sind bereits zuckerkrank bzw. besitzen eine Vorstufe der Stoffwechselstörung", sagt Herzspezialist Prof. Wolfgang Motz. Viele Menschen wissen nicht einmal um ihre Erkankung, denn der zu hohe Blutzuckerspiegel ist zunächst nicht schmerzhaft.

Das Klinikum Karlsburg gehört mit seiner 80-jährigen Tradition zu den ältesten Diabeteseinrichtungen der Welt. Es hat sich mit der Behandlung von Typ-1- und Typ-2-Diabetes und den schwerwiegenden Folgeerkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall, Augen- und Nierenerkrankungen, diabetisches Fußsyndrom) national und international einen guten Namen gemacht. Nun will es sich in einer globalisierten Welt auch Patienten aus anderen Regionen öffnen. "Das internationale Engagement, das wir vor allem in die Emirate und in den Baltikraum ausdehnen, kommt den Menschen in Vorpommern zugute", betont Prof. Dr. Motz. Es sichere nicht nur die Arbeitsplätze in der Region. Vom höheren Klinikstandard profitieren alle Patienten.