Richtfest für neues Kunstmuseum Ahrenshoop

Bund und Land unterstützen das private Engagement der Bürger,
die 2,5 Millionen Euro aufbrachten

Ahrenshoop. Es stürmt und regnet. Doch die rund 200 Gäste vor dem Rohbau des Kunstmuseums am Weg zum Hohen Ufer in Ahrenshoop stört das nicht. Fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem ersten Spatenstich wird Richtfest gefeiert. "Ein guter Tag in der über 120-jährigen Geschichte des Künstlerortes Ahrenshoop", befindet Guenter Roese, Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer. Der 77-jährige hat mit einem kleinen engagierten Team seit vielen Jahren konsequent und zielstrebig daran gearbeitet, dass das nahezu Unmögliche möglich wird: Der 720-Einwohner-Ort baut sich ein Kunstmuseum, um das kulturelle Erbe der Künstlerkolonie bewahren und fortentwickeln zu helfen. Die wertvolle Sammlung von derzeit rund 500 Bildern und Grafiken bedeutender Künstler, die die Entwicklung von Ahrenshoop seit dem Ende des 19. Jahrhunderts geprägt haben, wird endlich eine Heimstatt finden.
"Alles, was hier steht, stammt aus privaten Zuwendungen. Rund 2,5 Millionen Euro sind bereits verbaut", erzählt Roese stolz. Das Museum wird als Stiftermuseum mit erheblichen bürgerschaftlichem Engagement errichtet und betrieben. Die Stiftung Kunstmuseum Ahrenshoop wird derzeit von 74 Stiftern getragen und von mehr als 300 Mitgliedern des Freundeskreises unterstützt, die aus ganz Deutschland stammen.
"Dieses private Engagement ist einzigartig. Ahrenshoop hat sich um die Kultur in Deutschland verdient gemacht", würdigt Staatsminister für Kultur und Medien Bernd Neumann. Denn ohne Mäzene und Stifter wäre kulturelle Vielfalt nicht mehr denkbar. Nur deshalb mache der Bund eine Ausnahme und fördere ein Landesmuseum mit 1,5 Millionen Euro. Der Berliner Vorstoß lässt auch das Land aktiv werden. Harry Glawe, Minister für Wirtschaft, Bau und Tourismus des Landes Mecklenburg-Vorpommern, überreicht an den Vereinsvorsitzenden Roese einen Fördermittelbescheid von 3,5 Millionen Euro. Ein Wirtschaftsminister habe auch etwas für Kultur übrig, scherzt Glawe. Dann stellt er heraus, welche wirtschaftliche Bedeutung dieses "Infrastrukturprojekt" besitzt.
Bürgermeister Hans Götze lächelt zufrieden. "Ahrenshoop wird um eine Attraktion reicher werden. Endlich können wir stolz zeigen, was den Malerort ausmacht." Und Landtagsabgeordneter Heino Schütt (CDU) meint: "Hut ab vor dem Verein, der so viel Mut hatte und auch Risiko gefahren ist." Denn das Investitionsvolumen für den Bau beläuft sich auf 7,7 Millionen Euro und ist erst jetzt sicher.
Außergewöhnlich ist aber nicht nur das große bürgerschaftliche Engagement für den Bau. Außergewöhnlich ist auch die Architektur. Sie ist sogar so ungewöhnlich, dass man sich etwas einfallen lassen musste, um die traditionellen Nägel beim Richtfest einschlagen zu können. Das Gebäude ist als Massivbau komplett aus Stahlbeton errichtet. Andreas Schael vom Verein der Freunde und Förderer schlägt den Nagel deshalb in einen provisorisch angebrachten Sparren auf den Dach. Dann zerschellen die Gläser, die Glück bringen sollen.
Eigentlich sei das Museum "selbst ein Kunstwerk", findet Projektleiterin Marion Müller-Axt. Entworfen vom Berliner Architektenbüro Staab, das die internationale Ausschreibung gewann. Der Gebäudekomplex aus fünf Einzelhäusern, die miteinander verschmelzen, sei eine "Adaption der Rohrdach-Bauernhäuser", die typisch für die Region sind, erklärt Müller-Axt. Fenster sucht man allerdings vergebens. Der Bau erhalte eine Metallfassade, erklärt die Diplomingenieurin und diese entwickle durch die Witterung bald einen schönen goldbraunen Ton. "Wir wollten ja kein Heimatmuseum, sondern einen Bau mit Zeitgeist."
Die ersten Besucher, die durch den Rohbau geführt werden, sind begeistert. "Ein tolles Raumgefühl, viel Platz und was für ein Licht durch das Dach einströmt", sagt ein Ahrenshooper und gesteht, dass er zunächst etwas skeptisch gewesen sei. "Das Oberlicht schafft ein blendfreies, gefiltertes Licht, das die Ölgemälde richtig in Szene setzen wird. Unschöne Spiegelungen können so vermieden werden", weiß Müller-Axt. An Ausstellungs- und Depotflächen stehen etwa 1.300 Quadratmeter zur Verfügung. Genug Platz für ein Ausstellungs-, Begegnungs- und Forschungszentrum, das jährlich rund 60.000 Besucher anlocken soll. Im September 2013 ist die Einweihung geplant.
Anette Pröber