Erster selbstauflösender Stent
in Karlsburg implantiert

Karlsburg. Erstmals wurde im Klinikum Karlsburg ein resorbierbarer Stent in die verengte Herzkranzarterie eines Patienten implantiert. Diese neuartige Gefäßstütze zur Behandlung der koronaren Herzkrankheit wird sich nach einigen Monaten von selbst auflösen. Die Implantation des neuartigen Stents verlief ohne Komplikationen, der Patient hat die Klinik bereits wieder verlassen. "Der große Vorteil des resorbierbaren Stents liegt darin, dass dauerhaft kein Fremdkörper im Herzen verbleibt und auch die Blutverdünnung langfristig nicht notwendig ist", sagt Prof. Dr. Wolfgang Motz, Ärztlicher Direktor des Klinikums Karlsburg. Der Kardiologe sieht einen "neuen Meilenstein in der Therapie der koronaren Herzkrankheit" erreicht.
Bislang werden bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit vor allem Stents aus Metalllegierungen in das Kranzgefäß eingebracht, um bedrohliche Verengungen und Verschlüsse zu behandeln. Diese herkömmlichen Stents wachsen nach der Implantation in die Gefäßwand ein und können nie wieder entfernt werden. Ihre Funktion haben sie bereits nach wenigen Monaten verloren. Als Fremdkörper bergen sie die Gefahr in sich, durch entzündliche Prozesse eine erneute Verengung des betroffenen Gefäßes hervorzurufen.
Die selbstauflösenden Stents, die auch eine Medikamentenbeschichtung besitzen, werden das Risiko einer erneuten Verengung weiter minimieren, erklärt Prof. Motz. Allerdings, so räumt er ein, gibt es noch keine Langzeiterfahrungen. Außerdem sei wie bei allen Neuentwicklungen das Anwendungsverfahren technisch noch sehr kompliziert und teuer. Die neuartigen Stents stünden nicht in allen Größen zur Verfügung und seien für komplizierte Gefäßabschnitte bislang noch ungeeignet. "Wir stehen erst am Anfang einer bahnbrechenden Neuentwicklung", meint der erfahrene Kardiologe.
Mit den neuen bio-resorbierbaren Stents erweitert das Klinikum Karlsburg sein Behandlungsspektrum. Den Patienten stehen auf dem Gebiet der Koronartherapie sämtliche Versorgungsmöglichkeiten zur Verfügung: Metallstents mit und ohne Medikamentenbeschichtung, der medikamentenfreisetzende Ballon und der selbstauflösende Stent. Patienten, deren Kranzgefäße sich nicht für eine Stenttherapie eignen, werden im Klinikum Karlsburg vom Herzchirurgen-Team in höchster Qualität betreut. Die Entscheidung über die für den Patienten optimale individuelle Therapie trifft das Herzteam, das Spezialisten aus den Kliniken Kardiologie, Herzchirurgie und Anästhesie vereint.

Hintergrund: Die koronare Herzkrankheit ist eine Erkrankung der Herzkranzgefäße, die in den meisten Fällen durch eine Arterienverkalkung hervorgerufen wird . Sie gehört zu den Volkskrankheiten. In der Bevölkerungsgruppe der über 65-Jährigen ist mehr als ein Viertel (28 Prozent) der Deutschen davon betroffen. Die koronare Herzkrankheit und der aus ihr resultierende Myokardinfarkt gelten als die führende Todesursache in Deutschland.