Elger Esser schenkt Kunsthalle kostbare Fotografie

Der international anerkannte Düsseldorfer Künstler Elger Esser schenkt der Kunsthalle Rostock eine seiner wertvollen Landschaftsfotografien. Die großformatige Arbeit mit dem Titel "Joudy" zeigt eine Küstenlandschaft der Normandie. Strand, Wasser und Himmel sind in ein helles, pastellfarbenes Licht getaucht und scheinen ineinander überzugehen, nur wenige markante Gesteine heben sich ab. Der Blick des Betrachters verliert sich in der Weite. Die Fotografie, die auf etwa 25.000 Euro geschätzt wird, will der 45-Jährige Ende Oktober persönlich übergeben. "In Rostock hatte ich 2003 meine erste große Museumsausstellung. Das zehnjährige Jubiläum ist ein guter Anlass, sich zu bedanken", sagt Elger Esser. Er habe für die Sammlung eine Landschaft herausgesucht, die den französischen Norden charakterisiere und "ein Pendant zur Ostseeküste bildet". Durch den freundschaftlichen Kontakt zum Rostocker Kurator Ulrich Ptak habe er aus der Ferne "die Entwicklung des Kunstmuseums durch schwierige finanzielle Zeiten immer mit Aufmerksamkeit verfolgt".
Esser, der vor zehn Jahren noch als großes internationales Nachwuchstalent galt, hat inzwischen mit seinen Landschaftsbildern weltweit die großen Museen und Galerien erobert. Seine Arbeiten werden vertreten von namhaften Galerien wie Ileana Sonnabend in NewYork oder Thaddaeus Ropac in Paris. Seine Werkschau im Kunstmuseum Stuttgart sahen 55.000 Menschen, so viele wie jährlich die Kunsthalle Rostock besuchen.
Der 45-jährige gebürtige Stuttgarter, der an der Kunstakademie Düsseldorf zu den Schülern des berühmten Fotografenpaares Becher gehörte, begeistert mit seinen Arbeiten inzwischen die Sammler und erzielt Rekorderlöse. Seine Motive findet er auf Reisen in Frankreich, Italien, Spanien, Holland oder Schottland. Es ziehe ihn magisch zurück zu den Orten seiner Kindheit, erzählt Esser. In Rom "zwischen Steinen" aufgewachsen, habe er die Sommer in Frankreich geliebt. Seine Mutter, eine Pressefotografin, stammt von dort. Die Fotografien des Elger Esser sind verträumte Landschaften und erzählen von Sehnsüchten. In Essers Bildern leben keine Menschen, nur ihre "Hinterlassenschaften" werden minimalistisch in Szene gesetzt: eine Brücke, Strandutensilien oder eine Bank. Lange Belichtungszeiten und die Bearbeitung der Fotos vermitteln poetisch-melancholische Stimmungen. Dafür hat er auch eine Technik aus dem 19. Jahrhundert verfeinert, die Heliogravüre. Dieses fast vergessene Druckverfahren hat er in Kombination mit digitalen Techniken perfektioniert.
Der Rostocker Kunstwissenschaftler Ulrich Ptak, der Esser für Rostock entdeckte, freut sich über die Schenkung. "Mich begeistern seine Motive, die an niederländische Landschaftsgemälde des 17. Jahrhunderts erinnern", sagt Ptak. Für den Kunstwissenschaftler ist die Fotografie ein wichtiges Kunstgenre, das es nicht zu vernachlässigen gilt. "Mit Albert Watson (2002), Paolo Roversi (2010) und Elger Esser (2003) konnte die Kunsthalle Rostock herausragende Vertreter für Ausstellungen gewinnen, die bei vielen Besuchern großen Anklang fanden", sagt Ulrich Ptak.