Erste Herzpumpe in MV erfolgreich implantiert

Meilenstein in der Karlsburger Herzchirurgie zur Behandlung von schwerer Herzmuskelschwäche

Von ANETTE PRÖBER

Einen Hundertmeterlauf schaffe er noch nicht, aber sonst sei er gut drauf, scherzt Walter Haar aus Heringsdorf. Der 64-Jährige erlitt Anfang März diesen Jahres einen schweren Herzinfarkt, der sein Herz irreparabel schädigte. Zwei Wochen lang lag er im Koma und wurde durch ein nur auf der Intensivstation verfügbares externes Herz-Kreislauf-System versorgt.
"Nur durch ein Wunder und die Kunst der Ärzte in Karlsburg habe ich überlebt", sagt Walter Haar dankbar. Eine Mini-Herzpumpe der neuesten HeartWare-Generation rettete ihm das Leben. Es ist das erste transportable Herzunterstützungssystem, das in Mecklenburg-Vorpommern erfolgreich implantiert wurde. Damit ist ein neues Kapitel in der Therapie von schwerer Herzmuskelschwäche durch das Heart-Team des Klinikums Karlsburg um Herzchirurg Prof. Dr. Hans-Georg Wollert aufgeschlagen worden.
"Für den Patienten aus Heringsdorf gab es keine andere Überlebenschance. Ohne Unterstützungssystem wäre sein Herz nicht mehr in der Lage, sauerstoffreiches Blut in den Körper zu pumpen", sagt Prof. Wollert, Direktor der Herzchirurgie. Die Arbeit für die linke Herzkammer hat eine kleine Pumpe übernommen, die von Batterien außerhalb des Körpers angetrieben wird. "Das Batterie-Management ist in den letzten Jahren bedeutend einfacher und leistungsstärker geworden", erklärt Prof. Wollert. Mit ein wenig Übung lasse sich die Technik gut beherrschen.
Ursprünglich waren Herzpumpen nur dafür gedacht gewesen, die Zeit bis zur Transplantation eines neuen Herzens zu überbrücken. Da aber nicht genügend Spenderorgane verfügbar und die Transplantationszahlen in den letzten Jahren eher rückläufig sind, suchten Forscher nach technischen Unterstützungssystemen, die auch als Dauerlösung fungieren können. Die neue HeartWare-Pumpe, die seit über fünf Jahren in Deutschland implantiert wird, tragen inzwischen bundesweit ca. 700 Patienten. Die Hersteller gehen davon aus, dass die Unterstützung rein technisch mindestens 15 Jahre lang laufen könnte. Sie arbeiten bereits daran, kabellose Systeme zu entwickeln, bei denen die elektrische Energie induktiv in den Körper eingespeist wird.
Walter Haar hat keine Bedenken, fortan mit der tragbaren Technik zu leben. Als ehemaliger Schlosser sei er einiges gewöhnt, sagt er. Aber es dränge ihn, endlich aus dem Bett zu kommen und mit dem Hund seine Runden zu drehen.
"Der Entlassung in die Reha-Klinik steht nichts mehr entgegen", überbringt Herzchirurg Dr. Reinhard Friedl wenig später seinem Patienten Walter Haar die gute Nachricht. "Sie haben sich trotz Ihres bedenklichen Zustandes erstaunlich schnell erholt", sagt Friedl.
Die Operation der schwer funktionsgestörten Herzkammer mit Anschluss des Herzunterstützungssystems, die von Oberarzt Dr. Friedl und Prof. Wollert durchgeführt wurde, ist durch internationale Spezialisten begleitet worden. So ist es gelungen mit Prof. Arnt Fiane von der Osloer Universitätsklinik einen international anerkannten und langjährigen Anwender von Herzunterstützungssystemen zu gewinnen. Prof. Fiane hatte als einer der ersten Herzchirurgen in Europa das Potenzial der Mini-Pumpe für seine Patienten entdeckt. Bei ihm hatten die Karlsburger Spezialisten in der Vergangenheit hospitiert.
"Mit der neuen HeartWare-Pumpe können wir vielen Patienten in Mecklenburg-Vorpommern helfen, die an einer schweren Herzinsuffizienz (chronisches Herzversagen) leiden und bislang keine Chance hatten", unterstreicht Prof. Wollert. Mit der demografischen Entwicklung wächst die Zahl an herzinsuffizienten Patienten. Zugleich steigt die Zahl derjenigen, bei denen die konservative medikamentöse Therapie oder aber alternative Maßnahmen wie spezielle Schrittmacher und Defibrillatoren erfolglos bleiben bzw. nicht anwendtbar sind. "Für mich ist die Pumpe unter den heutigen Bedingungen eine echte Alternative zur Herztransplantation." Gut zu wissen für die vielen betroffenen Patienten, die häufig vergeblich auf ein Spenderorgan warten.