Bundeskanzlerin würdigte ehrenamtliche Arbeit
im Mehrgenerationenhaus Greifswald

Bundeskanzlerin Angela Merkel war am Samstag (18.04. 2015) in ihrem Wahlkreis unterwegs und gab in Greifswald dem CDU-Oberbürgermeisterkandidaten Jörg Hochheim Wahlkampfunterstützung. Vor rund 400 Menschen sprach sie auf dem Fischmarkt und warb für Kontinuität in der Stadtpolitik, die seit 1990 durch die CDU geprägt wird. Anschließend traf sich Bundeskanzlerin Merkel mit Vertretern des Greifswalder Mehrgenerationenhauses "Bürgerhafen". Treffpunkt war das Café "Lichtblick", das bis auf den letzten Platz von ehrenamtlich Aktiven besetzt war.
Rund 100 Ehrenamtler zähle derzeit das Mehrgenerationenhaus, erklärte Pastor Michael Bartels. Er ist Vorsteher des Pommerschen Diakonievereins, der als Träger der Einrichtung fungiert. Im Café "Lichtblick" sei einmal die Idee geboren worden, Behinderte stärker zu integrieren und Menschen unabhängig von Alter, Gesundheit und Weltanschauung einen Ort der Sicherheit und Geborgenheit zu geben. Seit elf Jahren arbeiten hier Menschen mit Handicap. Im Jahr 2007 entstand dann mit der Anschubfinanzierung durch die Bundesregierung das Mehrgenerationenhaus "Bürgerhafen", das heute mit seinen Angeboten ein vielfältiges soziales Leben in der Stadt ermöglicht.
"Niemand muss im Alter allein sein, jeder kann sich bei uns einbringen", sagte Koordinatorin Dr. Monika Meyer-Klette und begleitete die Kanzlerin an die verschiedenen Tische, damit sie sich in persönlichen Gesprächen selbst ein Bild von dem Wirken im Mehrgenerationenhaus machen könne. Die 71-jährige Helga Thrun erzählte Angela Merkel, dass sie heute als "Wunschgroßmutter" glücklich sei, wieder eine Aufgabe zu haben. Ihre Patenkinder seien ihr inzwischen richtig ans Herz gewachsen. Sie helfe nicht nur der jungen Familie, auch ihr werde viel gegeben. Andreas Reitis berichtete der Kanzlerin von dem Deutschunterricht, den er Flüchtlingen erteilt, und Ingrid Krowas von den Kunst- und Kulturtouren, die sie für Interessierte gern organisiert.
Angela Merkel ließ sich zeigen, was die Frauen der Strick-AG für Kinder in Afrika anfertigten und unterhielt sich mit Renate Wilke und Friedrich Bartels über die Angebote für ältere Menschen im ländlichen Raum. Die Mobilität stelle für Ältere ein großes Thema dar, meinte die Kanzlerin. Auf Busse und Bahn könne man in manchen Regionen nicht setzen. Es gelte neue Transportsysteme und Fahrdienste zu entwickeln, regte sie an.
Mit viel Gespür beantwortete Merkel auch die Frage des 10-jährigen Karl, der wissen wollte, wie die Kanzlerin ihren anstrengenden Job meistert. Sie erzählte von ihrem großen Team und wie sie Unterstützung erhalte. Von strengen Zeitplänen, die von Krisen diktiert werden, und von eigenen Wertvorstellungen. Natürlich sei sie aber auch nur ein Mensch und könne sich auf ihr Zuhause freuen. Verständnisvolles Nicken. Erst am Tag zuvor hatte sie die Trauerfeier für die Opfer der Flugzeugkatastrophe in Köln besucht und am Abend auf einem Wirtschaftsgipfel in Stralsund gesprochen.
Eine gute Stunde saß die Kanzlerin im Café und hörte zu, was die Greifswalder ihr zu erzählen hatten. Die niedrigen Löhne und kleinen Renten wurden nicht ausgespart. Natürlich sei es nicht möglich, aus einem der ärmsten Landkreise in kurzer Zeit einen der reichsten zu machen, meinte Merkel. Aber auch das Bundesland Bayern hätte einmal klein angefangen. Und das, was die Menschen im Bürgerhafen leisteten, seien wichtige Impulse, um das Leben lebenswerter zu machen.
Zum Schluss stimmte der Musizierkreis des Bürgerhafens ein altes Volkslied an: Dona novis pacem. Gib uns Frieden. Es gehört zu den Lieblingsliedern der Kanzlerin.