Rostocker Konservatorium feiert 75. Gründungsjubiläum

Das Konservatorium Rostock feiert am 20. Januar sein 75. Gründungsjubiläum mit einem Festkonzert in der Aula des "Hauses der Musik". "Das Musikspielen bringt Freude und Entspannung, ist ein schöner Ausgleich zum Berufsalltag", sagt der 50-jährige Rostocker Biologe Dr. Hagen Pommerenke, der in der Bigband beim Festkonzert mitwirkt. Seit 45 Jahren ist für ihn das KON, so wie das Konservatorium in Rostock seit Generationen von Schülern und Lehrern genannt wird, so etwas wie sein zweites Zuhause. Als Kind erlernte er an der renommierten Musikschule das Gitarrenspiel, später wechselte er zum Gesang und heute vervollkommnet er erneut sein Gitarrenspiel. Auch seine Frau und seine drei Kinder haben am KON die Leidenschaft zur Musik entdeckt. Der älteste Sohn Konrad (18) ist inzwischen Pianist und studiert an der HMT in Rostock.

Das Konservatorium Rostock ist die älteste und zugleich größte kommunale Musikschule des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Von 1941 bis 2011 war die Musikschule in der Villa am Schillerplatz 2 beheimatet, die aber in den 90er Jahren aus allen Nähten zu platzen drohte und mit dem "Haus der Musik" in der Wallstraße 1 im Januar 2012 ein modernes neues Domizil fand. Mit 163 Schülern fing die Ausbildung 1941 an. Zurzeit nehmen 1550 Musikschüler jeden Alters am professionellen Musikunterricht teil. Viele bekannte Musiker und Talente begannen ihre musikalische Laufbahn am Rostocker Konservatorium. Beispielsweise bekam der Cellist Prof. Hans-Jakob Eschenburg, 1. Solocellist des Rundfunksinfonieorchesters Berlin und Honorarprofessor an der Hochschule für Musik "Hans Eisler", im Alter von 5 Jahren ersten Violoncello-Unterricht bei Otto Brusch in Rostock. Oder die junge Pianistin Janka Simowitsch: Geboren 1987 in Rostock und inzwischen mit vielen internationalen Preisen geehrt, startete sie ihre Karriere bei Prof. Karl-Heinz Will, der von 1976 bis 1989 Direktor des Konservatoriums war.

Seit 1990 haben sich Aufgaben und Struktur der kommunalen Musikschule "Rudolf Wagner-R├ęgeny" sehr gewandelt, erklärt der Direktor des Konservatoriums, Edgar Sheridan-Braun. Die Musikschule hat den Auftrag, allen interessierten Kindern und Jugendlichen eine musikalische Ausbildung und Freizeitgestaltung zu ermöglichen. Besonders begabte Schüler können im Rahmen der studienvorbereitenden Ausbildung gefördert werden.
Für eine nachhaltige Musikschularbeit fehlen derzeit in fast allen Fachbereichen hauptamtliche Lehrerstellen. Von den derzeit 80 Lehrern sind nur 23 fest angestellt und wiederum nur die Hälfte in Vollzeit. Die Nachfrage nach musikalischer Förderung ist weitaus größer als das Angebot. 500 Schüler stehen auf der Warteliste.

Sheridan-Braun übernahm die Leitung im Schuljahr 2000/01 aus den Händen von Renate Oehme, die sich nach langer engagierter Tätigkeit für den Erhalt der erstklassigen Bildungsstätte in den Ruhestand verabschiedet hatte. Sheridan-Braun, der schon vor seiner Direktoren-Tätigkeit das Jugendsinfonieorchester geleitet hatte, knüpfte nahtlos an. Er will vor allem jungen Menschen die Freude am Musizieren vermitteln. Er führte die Popularmusik ein, gründete eine Bigband und profilierte das KON als erstklassige Musikschule des Landes. Auf die anstehende Jubiläumsfeier können sich alle Musikfreunde freuen, meint Sheridan Braun. "Wir präsentieren in unserem kleinen Festkonzert einen Ausschnitt unseres musikalischen Spektrums und modernen Profils: Klassik, Folk und Jazz."

"Musik ist in ihrer Kraft unschätzbar, es ist die Sprache der Welt, die jeder versteht, die Nationen verbindet", schwärmt Gloria Arndt. Sie war bis 2004 Schülerin des Konservatoriums, hatte Klavier- und Gesangsunterricht. Heute leitet die Juristin den Förderverein des Konservatoriums, weil sie möchte, dass das hohe Gut der Musik weitergegeben wird. Der Förderverein, 1994 gegründet, hilft gute Rahmenbedingungen für die Arbeit am Konservatorium zu schaffen. Beispielsweise finanziert er neue, kostenintensive Instrumente und unterstützt Konzerte und Veranstaltungen. "Wer sich bei uns für ein reiches Musikleben der Stadt engagieren möchte, ist gern gesehen", sagt Arndt.