Rekordergebnis bei der 38. Kunstauktion Ahrenshoop

Von Anette Pröber

Ahrenshoop (dpa) Die renommierteste Kunstauktion des Landes Mecklenburg-Vorpommern erlebte Samstagabend in Ahrenshoop auf dem Darß große Bietergefechte. Fast alle 148 Arbeiten aus dem Angebot, die das breite Spektrum der über 100-jährigen Geschichte der Künstlerkolonie Ahrenshoop präsentierten, fanden ihre Liebhaber. Das Rekordergebnis vom Vorjahr mit 440.000 Euro konnte überboten werden. Noch ohne Nachverkauf liegt der Umsatz in diesem Jahr bereits bei 450.000 Euro und kann noch auf 500.000 Euro klettern.
Das Ergebnis der 38. Auktion kam nicht überraschend. "Wir hatten nach der Vorbesichtigung der Werke in Berlin bereits viele Gebote und Anfragen aus ganz Deutschland", sagte Auktionator Guenter Roese. Über 250 Kunstfreunde drängten dann am Samstag in die Strandhalle Ahrenshoop, die bereits wenige Minuten nach Öffnung bis auf den letzten Platz besetzt war. Einige Bieter und Interessenten mussten mit Stehplätzen draußen vor den geöffneten Fenstern Vorlieb nehmen. "Diese Auktion ist das Ereignis des Jahres schlechthin und bekannt für seine tolle, stimmungsvolle Atmosphäre", meinte Hans Götze, Bürgermeister des 720-Einwohner-Ortes. Viele Urlauber und Kunstfreunde würden seit vielen Jahren das erste Augustwochenende vorbuchen. Die gut 2400 Gästebetten seien um diese Zeit immer belegt.
Besonders gefragt waren bei der Auktion - wie könnte es anders sein - atmosphärisch schöne Arbeiten von der Küste, darunter "Figurinnen am Meer" von Max Kaus (1891 - 1977), und von Otto Manigk (1902 - 1972) das Ölgemälde "Einholen der Fischerboote", die für 9500 bzw. 8500 Euro den Zuschlag bekamen. Viele Mitbieter gab es für eine kleine Feder- und Aquarell-Zeichnung von Elisabeth Büchsel (1867 - 1957), die spielende Kinder am Fischerplatz zeigt. Die vor 1910 entstandene Arbeit, der Schätzpreis lag zwischen 700 und 900 Euro, erreichte schließlich 4000 Euro. Ihr Ölgemälde "Die alte Bäuerin", ein ausdrucksstarkes Porträt, stieß ebenfalls auf großes Interesse. Mitbieter stöhnten voller Anerkennung, als es für 8500 Euro den Besitzer wechselte.
Als das teuerste Gemälde des Abends überraschte das Ölgemälde "Bäuerin mit zwei Ziegen" von Alfred Partikel (1888 - 1945) aus dem Jahr 1920. Es erhielt bei 13.000 Euro den Zuschlag. Das expressionistische Bild, das zwei Ziegen in den Mittelpunkt rückt, besitzt großen kunsthistorischen Wert. Partikel, Kunstprofessor in Königsberg und seit 1921 in Ahrenshoop ansässig, hatte stark unter dem nationalsozialistischen Regime zu leiden. Seine Kunst wurde 1937 als "entartet" diffamiert, er selbst blieb 1945 nach einer Wanderung "verschollen".
So manches Werk erzielte am Samstag ein Mehrfaches seines Schätzpreises. Die kleine Pastellkreide-Arbeit "Des Königs Armada von Ahrenshoop" von Edmund Kesting (1892 - 1970), fand für 7000 Euro, das Zehnfache des angegebenen Wertes, einen Kunstfreund. Die farbenfrohe Armada schmückte in diesem Jahr auch das Titelbild des Auktions-Kataloges. Für 12.500 Euro und damit das Doppelte des Schätzpreises kam die in den 1920er Jahren entstandene "Schnittcollage mit Violett" von Kesting unter den Hammer. Ähnliche Collagen des in Dresden geborenen Künstlers hat das Museum of Modern Art in seiner Sammlung.
"Es ist nicht die Krise des Euro, die die Sammler in Kunst investieren lässt. Es ist vor allem die große Affinität zum Künstlerort und seinen Malern und natürlich das besondere Event", schätzt Guenter Roese ein. Der erfahrene Kunstexperte rechnet fest damit, dass das Interesse für Ahrenshoop mit der Eröffnung des Kunstmuseums 2013, das die Geschichte der Künstlerkolonie erstmals eindrucksvoll präsentieren wird, weiter wächst. Bereits in wenigen Wochen (im September) wird der 5-Millionen-Museumsbau, in Ahrenshoop Richtfest feiern.