Trompetentusch zum 20. Jubiläum der Festspiele

Ausnahmetrompeter Gabor Boldoczki als Preisträger in Residence bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern


Seit Gabor Boldoczki (34) vor elf Jahren den Solistenpreis im Rahmen der Internationalen Kammermusikreihe "Junge Elite" bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern gewann, gehört er zu den vielumjubelten Stars, die jedes Jahr bei der musikalischen Landpartie im Nordosten anzutreffen sind. Der ungarische Künstler ist mit seinem Trompetenspiel eine Ausnahmeerscheinung, gastiert zusammen mit namhaften Orchestern in den bedeutendsten Musikmetropolen der Welt. In diesem Sommer wird er als Preisträger in Residence mit 13 Konzerten die Festspiele MV prägen. Intendant Dr. Matthias von Hülsen freut sich über das Engagement: "Er beherrscht sein Instrument so gekonnt wie kaum ein anderer, wir fühlen uns mit ihm im Kometenhimmel." Anette Pröber sprach mit Gabor Boldoczki.

Herr Boldoczki, Im Jahr 1999 gewannen Sie mit 22 Jahren den Solistenpreis der Festspiele. Danach ging es mit der Karriere steil nach oben. Kann man sagen, dass Sie bei den Festspielen entdeckt wurden?

Das kann man durchaus so sehen, und dafür bin ich dankbar. Schritt für Schritt ging es voran, ich gewann den bedeutendsten Internationalen Musikwettbewerb der ARD in München und wurde Erster Preisträger des 3. Internationalen Maurice Andre Wettbewerbs in Paris. Schließlich bekam ich 1999 auch den begehrten Nachwuchspreis "Prix Davidoff" verliehen.

Wie fanden Sie zum Trompetenspiel?

Durch meinen Vater. Schon mit neun Jahren holte er mich in den Spielmannszug von Kiskörös. In der Weinstadt der kumanischen Ebene, gelegen zwischen Szeged und Budapest, entdeckte ich die Musik. Nahezu gleichzeitig begann ich mit dem Trompeten- und Klavierspiel. Doch die Trompete war für mich recht schnell die Königin der Instrumente.

Ist das nicht eine ungewöhnliche Entscheidung?

Die Trompete ist technisch anspruchsvoll, ihr kann man Töne vom sanftem Pianissimo bis zum donnernden Fortissimo entlocken, ungeahnte Höhen und Tiefen. Fast jeder Komponist hat für dieses Instrument geschrieben, so gibt es sowohl barocke als auch sehr moderne Stücke. Ich liebe zunehmend die zeitgenössische Musik, sie hat für mich einen besonderen Reiz. So freue ich mich schon jetzt auf ein Konzert für Trompete und Schlagwerk, das mein ungarischer Freund Laszlo Dubrovay schrieb. Trompete und Schlagwerk bilden spannende Klangbögen. Ich hoffe, bei den Festspielen 2010 etwas von der Faszination meines Instruments vermitteln zu können.

In diesem Sommer sind Sie bei den Festspielen Preisträger in Residence und haben entscheidend bei der Programmgestaltung mitgewirkt. Auf was darf sich der Konzertbesucher bei Ihren 13 Konzerten besonders freuen?

Ein Höhepunkt ist sicher das Wandelkonzert in Ulrichshusen am 24. Juli, eines von drei Festkonzerten anlässlich der Gründung der Festspiele vor 20 Jahren. Von 15 bis 21 Uhr werden mit mir viele der ehemaligen Preisträger musikalisch gratulieren. Darunter die Violinisten Daniel Hope, Viviane Hagner und Veronika Eberle und Sebastian Knauer am Klavier. Ein weiteres Festkonzert mit vielen Stars bringt der ,Karneval der Preisträger" am 4. September mit Picknick und Pferden in Redefin. Ein schönes Programm habe ich für das Kammermusikfest vom 5. bis 8. August in Hasenwinkel und Ulrichshusen vorbereitet und dafür interessante Partner gewonnen. Vor großem Orchester, dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Gilbert Varga, stehe ich am 22. August in Ulrichshusen und präsentiere Hummels Trompetenkonzert. Spannend für mich ist schließlich auch der Meisterkurs in der Hochschule für Musik und Theater Rostock (19.- 27. August Sommercampus). Als gerade promovierter Professor werde ich meine instrumentalen Erfahrungen an junge Talente weitergeben.

Im Jubiläumsjahr der Festspiele gibt es einen ganz besonderen Clou. Der türkische Komponist und Pianist Fazil Say schreibt Ihnen ein Werk für Trompete, das Sie zur Uraufführung bringen werden. Ehre und Herausforderung, was überwiegt?

Ich bin sehr berührt und lasse mich überraschen. Natürlich ist die Zeit knapp, das Stück entsteht ja gerade erst. Da müssen wir beide kräftig in die Hände spucken.

Warum sind die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern bei all Ihren hochkarätigen internationalen Verpflichtungen immer wieder eine Reise wert?

Die Festspiele bieten eine familiäre Atmosphäre, die einzigartig ist. In diesen Jahr freue ich mich nicht nur auf das gemeinsame Musizieren mit Freunden, sondern hoffe, am Rande der Konzerte auch ein wenig Zeit mit ihnen verbringen zu können. Ich werde das Land noch besser kennenlernen, dessen Landschaft mich sehr an meine ungarische Heimat erinnert.